
Am letzten Freitag mußten wir uns sehr schweren Herzens von Silas alias Siras verabschieden – eigentlich mußte Frauke es tun, bei der er nun schon seit vielen Jahren glücklich lebte, doch auch wir haben mitgelitten, war er uns doch über all die Jahre sehr ans Herz gewachsen –
Siras hat in den letzten Wochen stark abgebaut, verlor in den letzten Tagen rapide an Gewicht, hatte Durchfall + stellte am Freitag auch das Essen ein – bei Pferden eine Vollkatastrophe…
Es wurde ein tumoröses Geschehen vermutet + angesichts des drohenden Leidenswegs in Absprache mit dem zuständigen Tierarzt die Entscheidung getroffen, es nicht soweit kommen zu lassen –
Siras wurde 25 Jahre alt –

Siras wurde im Oktober 2011 von unserer befreundeten Tierärztin Nina entdeckt, als er sich in sehr schlimmem Zustand mit gefesselten Vorderbeinen einen Weg entlang schleppte – es ist eine lange Geschichte, die man auf unserer Homepage nachlesen kann – es fügte sich zum Guten + mangels Alternativen zog Siras erstmal zu uns ins Tierheim, was für ihn zwar nicht toll aber trotzdem eine riesige Verbesserung seiner bisherigen Lebensumstände war –

6 Jahre hat Siras bei uns verbracht, im großen Freilauf wurde ein Stall für ihn gebaut, meistens hielt er sich jedoch draußen auf + mähte für uns die Wiese –
Siras lebte zusammen mit der damals noch recht großen Hundegruppe rund um Bundas – alte Weggefährtinnen werden die Truppe noch kennen – es war im Großen + Ganzen eine friedliche Koexistenz, ab + an hat Siras mal richtig Gas gegeben + die Hunde sind alle hinter ihm her gerannt, nicht ungefährlich vielleicht, aber es ist nie etwas passiert + am End hatten glaub ich beide Seiten ziemlich Spaß daran –

Neben Rasenmähertätigkeiten im gesamten Tierheim konnte Siras uns im Winter auch super beim Schneeräumen helfen –
Da wir damals einige Arbeiter bei uns hatten, die selbst Pferde haben + sogar mit Kutsche zur Arbeit gekommen sind, war auch Gesellschaft mit Artgenossen immer mal wieder möglich – es war also nicht total eintönig bei uns, aber halt auch kein richtig tolles Leben für ein Pferd, das vor allem auch noch gar nicht so alt war – ich meine, er war um die 11, als er zu uns kam –

Zum Glück hatten wir damals Tibi als Tierheimtierarzt, der eigentlich ein Großtierarzt ist + sich vor allem mit Pferden sehr gut auskennt – so konnten wir Siras diverse Baustellen immerhin gut behandeln – hier bekommt er zB seine Zähne gemacht –
Viel Zeit + Können mußte aber vor allem in seine Hufe gesteckt werden, die vermutlich durch schlechte Haltung seit Anbeginn + auch durch die schlimmen Fesslungen fehlgestellt waren + Siras darum immer Probleme bereitet haben –
Ebenfalls glücklicherweise ergab sich für Siras die Möglichkeit, über den Sommer mit anderen Pferden + Kuh-Ziegen-oder Schafsherden in die Berge zu gehen, um dort zwei Monate zu grasen –
Hier wird er von zwei unserer Arbeiter mitgenommen, eine Übernachtung noch im Dorf + am Tag darauf ging es dann los –

War Siras zu Beginn unseres Kennenlernens ein mit Recht skeptisches Pferd, das Menschen nicht über den Weg getraut hat, fasste er langsam mehr Vertrauen, suchte auch unsere Nähe, blieb jedoch strikt damit, daß er nicht alles ohne Weiteres mit sich machen ließ – wir haben das hier so akzeptiert + niemand wäre auch nur im Traum darauf gekommen, es bei ihm mal mit Reiten zu versuchen

Ein weiterer + wirklich riesiger Glücksfall war, daß wir Frauke kennenlernten, eine Frau, die nicht allzuweit entfernt einen Pferdehof betreibt + ebenfalls sehr tierschutzengagiert ist – sie kam, um Siras kennenzulernen + bot uns dann einen Pflegeeinstellplatz für ihn an – so kam es, daß Siras nach 6 Jahren bei uns zu ihr zog + ab da seine wohl beste Zeit des Lebens begann –



Siras hat sich sehr schön eingewöhnen können bei Frauke + hatte einen super Draht zu ihr; schon bald haben wir nicht schlecht gestaunt, als wir hörten, daß er sie reiten ließ + sogar richtig Spaß daran hatte –
Er wurde zu einem angenehmen Mitbewohner für die anderen Pferde, zeigte immer mehr Interesse an Unternehmungen mit BesucherInnen + war ein Pferd, das auch Kinder mochte, geduldig war + einfach Freude an der Interaktion hatte –





Daß ein junges Mädchen Siras einfach so bürsten kann…ich weiß noch, wie ich ihm im Tierheim immer versucht habe, die Kletten aus der Mähne zu schneiden + seine Schnauze dabei tunlichst im Auge behalten habe, weil ich mich nicht beißen lassen wollte…
So schön, wie das Leben dann doch noch für Siras gespielt hat, der mittlerweile in Silas umgetauft wurde, da die traurige Bedeutung (siras = traurig, weinen) ihm einfach gar nicht mehr gerecht wurde –

Siras Einsätze als Reit- oder Therapiepferd mit Kindern waren immer nur ein kleiner Teil seines Lebens, die meiste Zeit verbrachte er in der Gruppe, in den letzten Jahren meistens in der betagteren Kombination mit Stella + Frodo, auch Pflegeeinsteller aus dem Tierschutz + ein Trio, das sich sehr mochte immer beisammen stand –

Als völlig pferdeunerfahrener Mensch war Siras mein erstes Pferd, mit dem ich näher zu tun hatte + für das ich mich 6 Jahre lang sehr verantwortlich gefühlt habe, weil die Arbeiter hier ihn zwar grundsätzlich händeln konnten, es aber nicht so genau genommen haben mit Stallausmisten, für sauberes Wasser sorgen, kein schimmliges Heu füttern + überhaupt etwas Abwechslung + Auslastung bieten –
Ihn bei Frauke zu sehen, hat mein Herz immer zutiefst erwärmt + ich war froh, ihn bei ihr zu wissen, die ihn wie ihr eigenes Pferd empfunden hat + mit ihm durch Krankheit, Verletzung + seine chronischen Hufprobleme gegangen ist –
11 Jahre Hölle, 6 Jahre zu Kräften kommen, 8 Jahre Himmel auf Erden – so traurig es ist, aber letztendlich kein richtig schlechter Schnitt für die hiesigen Verhältnisse –
Lieber Siras, rest in peace :*
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Lieber Siras,
ich kann mich noch gut dran erinnern als Nina dich fand und habe mich immer gefreut etwas von Dir zu lesen.
Damals habe ich mich auch entschlossen, die kleine Madame von Brunopet zu mir zu nehmen.
Es freut mich sehr, das Du noch eine schöne Zeit hattest und trotzdem macht es mich traurig, das Du nun gegangen bist.
Ich hoffe es geht Dir gut, dort wo Du jetzt bist.
Rest in Peace, Simone und Madame
Ich habe damals schon die Anfänge verfolgt und war entsetzt und für Siras nur glücklich. So ein wunderbarer Kerl.
Alles Gute Siras auf deinem weiteren Weg. Brigitte mit Jack (vorher Gershwin)