
Schritt für Schritt Veränderung
Netzwerk Rovinari 2025
Ursprünglich entstand das Kastrationsprojekt aus der Zusammenarbeit mit dem städtischen Tierheim Rovinari. Inzwischen ist es darüber hinausgewachsen. Das Netzwerk Rovinari ist aus praktischer Tierschutzarbeit vor Ort entstanden. Durch wiederholte Kastrationsaktionen und zahlreiche persönliche Einsätze in Rovinari und Umgebung konnte ein vertrauensvolles Verhältnis zu lokalen Tierschützern aufgebaut werden. Diese kontinuierliche Zusammenarbeit bildet heute das Fundament des Netzwerks. Alle Beteiligten verfolgen dabei ein gemeinsames Ziel: nachhaltigen Tierschutz durch Kastration und gegenseitige Unterstützung.
Ein zentraler Bestandteil des Netzwerks ist die persönliche Kenntnis der Menschen und ihrer Hunde. Die Gegebenheiten vor Ort, die Herausforderungen und der tatsächliche Bedarf sind bekannt. Dadurch kann Hilfe gezielt erfolgen, nicht nur durch Kastrationen, sondern auch durch die Vermittlung von Hunden, Futterspenden, Hundehütten oder andere notwendige Unterstützungsmaßnahmen.

Kastrationsarbeit im Frühjahr und Herbst 2025
Im Mai 2025 konnten im Rahmen der Frühjahrskastrationsaktion in Rovinari und Umgebung insgesamt 252 Hunde kastriert werden. Diese Zahl verdeutlicht den weiterhin hohen Bedarf, zeigt aber zugleich die Wirksamkeit der gut organisierten Zusammenarbeit.
Im Herbst wurde die Kastrationsarbeit fortgesetzt. Vor Ort waren Luca, Antonia, Alena und Anna, die als Fänger- und Betreuungsteams im Einsatz waren und jeweils paarweise arbeiteten. Ausgangspunkt der Einsätze war das Tierheim Rovinari. Von dort aus fuhren die Teams in die umliegenden Gebiete und brachten die Straßenhunde nach der Aufwachphase wieder an ihre angestammten Plätze zurück.
Ziel der Aktion war es, bekannte Standorte erneut zu überprüfen, neu entstandene Gruppen zu erfassen und zusätzlich private Hunde und Katzen aus der Umgebung zu kastrieren.
Lucas Einsatz in Rovinari fiel in eine besonders intensive Phase seines Lebens. Er befindet sich im letzten Ausbildungsjahr als Tierpfleger und steckte mitten in den Prüfungsvorbereitungen. Dennoch war es ihm möglich, vom ersten Tag seiner Tätigkeit einen Erlebnisbericht zu erstellen. 🙂

Kastrationsaktion Oktober 2025 – ein Bericht
Tag 1 (Luca)
Vom 09. bis 11. Oktober waren wir wieder in Rovinari zu unserer Kastrationsaktion. Diesmal hatten wir unseren Kastrationsstandort am Tierheim Rovinari. Von dort aus sind wir losgefahren, um in den umliegenden Orten die noch unkastrierten Hunde einzusammeln und sie nach der Kastration wieder an ihre Plätze zurückzubringen. Zusätzlich waren Termine mit privaten Hunden und Katzen aus der Umgebung geplant, die den Großteil der Kastrationen ausmachten.
Dieses Mal hatten wir wieder viel Unterstützung vor Ort. An dieser Stelle schon einmal ein großer Dank an Mona und ihr Tierheim-Team für das Organisieren und Bereitstellen der Räumlichkeiten. Ebenso danken wir dem Tierärzteteam um Ioana sowie den Tierschützern vor Ort – Madalin und Luiza –, die uns die unkastrierten Hunderudel und einzelnen freilaufenden Hunde gezeigt haben. Und natürlich danken wir jeder einzelnen helfenden Person, die uns in und um Rovinari beim Einfangen der Hunde unterstützt hat. Ohne Bezugspersonen und Menschen, die sich aktiv um viele Straßenhunde kümmern, hätten wir deutlich größere Probleme gehabt, die Hunde stressfrei einzufangen.
Am ersten Tag haben wir uns zunächst einen Überblick über die allgemeine Hundepopulation im Tierheim verschafft: Welche Hunde noch unkastriert waren, welche wir über unsere Vermittlungsseite sichtbar machen konnten, alte Bekannte wiederzusehen, Fotos zu machen und Zeit mit den Hunden zu verbringen. Dabei haben wir uns vor allem auf Hunde konzentriert, die noch keine direkte Aussicht auf einen Ausreiseplatz hatten. Unter anderem haben wir einige Hunde mit nach draußen genommen, um einen besseren Eindruck außerhalb des Tierheims zu bekommen. Leider hatten wir dieses Mal nicht allzu viel Zeit für die Tierheimhunde, konnten jedoch einige neue Eindrücke gewinnen.

Unser Hauptaugenmerk lag bei dieser Reise auf den Straßenhunden, weshalb wir uns auch hier zunächst einen Überblick verschaffen mussten. So sind wir vom Tierheim aus losgefahren, um die ersten Rudel, die wir bereits kannten, in der unmittelbaren Umgebung zu besuchen und zu schauen, ob es weiteren Zuwachs gab oder die Population gleich geblieben ist.
Unser erster Stopp war am Stadtrand von Rovinari. Dort hatten wir in der Vergangenheit bereits ein kleines Rudel kastriert, das an stillgelegten Kohleförderbändern lebt und den dort arbeitenden Wachposten Gesellschaft leistet und sie unterstützt. In der Zwischenzeit hatte sich dort ein neues, kleines Rudel aus sieben Hunden gebildet. Nach einem kurzen Gespräch mit den Arbeitern vor Ort machten wir uns gemeinsam daran, die zutraulicheren Hunde mithilfe der Bezugspersonen in Boxen zu setzen. Für die scheueren Kandidaten hatten wir unsere Falle dabei.
Hier gab es jedoch bereits die erste Hürde: Nach dem Aufbau und der Vorbereitung der Falle stellten wir fest, dass der Sensor beschädigt war und die Falle somit nicht ausgelöst werden konnte. Daher mussten wir alle weiteren Hunde per Hand einfangen – was sich als kleine Herausforderung herausstellte, mit der Hilfe der Menschen vor Ort jedoch gut machbar war. So konnten wir bereits am Abend des ersten Tages die ersten Hunde zur Kastration auf das Tierheimgelände bringen.

Einsatz an der Mine am Stadtrand
Am Stadtrand von Rovinari besuchte das Team ein bekanntes Rudel an stillgelegten Kohleförderbändern. Die Mitarbeiter vor Ort waren sehr freundlich und verfolgten interessiert das Geschehen. Besonders hilfreich war ein Mitarbeiter, der guten Zugang zu den Hunden hatte und sie gut kannte. Er wusste genau, welche Tiere bereits kastriert waren, welche in welchem Verwandtschaftsverhältnis zueinander standen und konnte so auch die scheuen Hunde einfangen. Ein schönes Beispiel dafür, dass den Menschen vor Ort die Tiere wirklich am Herzen liegen.
Eine Hündin jedoch verschwand sofort und ließ sich auch von ihm nicht einfangen. Das Team hinterließ ihm eine große Box und ihre Telefonnummer, in der Hoffnung, dass er sie später noch sichern könnte. Am nächsten Vormittag fuhren wir erneut vorbei, doch leider war die Hündin verschwunden. Offenbar reichte ihr der kurze Eindruck von Sprinter, Falle und Boxen, um sich zunächst zurückzuziehen. Alle anderen Hunde konnten hingegen eingefangen und kastriert werden.
Besonders erfreulich war die Begegnung mit den Hunden, die das Team bereits im Herbst 2023 kennengelernt und kastriert hatte. Sie waren wohlauf und lebten weiterhin in ihrem Rudel – selbstbestimmt, in Freiheit und sicher. Ein berührender Moment, der zeigt, wie erfolgreich die kontinuierliche Kastrationsarbeit in Verbindung mit dem Engagement der Menschen vor Ort sein kann.

Einsatz bei Madalin in Turceni
Bei Turceni führte uns Madalin auf eine seiner bekannten Routen, um Hunde und Katzen von Privatpersonen abzuholen. Gleich zu Beginn konnten wir einen Rüden an der Tankstelle anlocken, füttern und problemlos einfangen.
Während wir am Transporter warteten, fiel uns eine winzige Hündin auf, die am Ende der Straße auf und ab lief. Zunächst wirkte es, als sei sie eventuell ausgesetzt, doch schließlich lief sie in den Vorgarten einer Familie, zu der sie offenbar locker gehörte. Madalin sprach die Familie an, erklärte unsere Zusammenarbeit mit dem Tierheim und das Kastrationsprojekt. Nach kurzem Zögern gaben sie uns die kleine Hündin mit. Bei uns bekam sie den Namen „Tiny Shiny“ (Bild).
Am nächsten Tag brachten wir die Hunde von Madalins Tour zurück, darunter auch Tiny Shiny. Die Familie war sichtlich erleichtert. Besonders die Großmutter konnte ihre Tränen kaum zurückhalten, weil sie nicht sicher gewesen waren, dass ihre kleine Hündin tatsächlich zurückgebracht würde. Tiny Shiny freute sich sichtlich, wieder in ihrem Garten zu sein.

Mine 2 und weitere Einsätze
Bei der zweiten Mine und weiteren Touren in Turceni und Umgebung konnten Luca & Antonia sowie Anna & Alena mehrere Hunde und Katzen von Anwohner*innen einsammeln, darunter auch junge Katzen und einzelne Straßenhunde. Leider trafen sie auch auf verletzte und sehr scheue Tiere, wie eine Hündin mit gebrochenem Bein, eine Hündin mit sieben Tage alten Welpen und viele unkastrierte Hunde, die nur schwer zugänglich waren. Trotz intensiver Lockversuche und der Unterstützung engagierter Menschen vor Ort konnten nicht alle Tiere gesichert werden.
Besonders positiv waren Begegnungen mit gut versorgten Rudeln, die freundlich auf die Teams reagierten. Auch Futter wurden verteilt und antiparasitäre Maßnahmen ergriffen..
Anna sagte zum Abschluss: Insgesamt 226 Hunde und Katzen kastriert, viele tolle Momente mit Menschen vor Ort; sichtbare Erfolge, zumindest schon in Rovinari. Und trotzdem fährt man mit einer scheinbar endlosen Liste im Kopf. Hündinnen mit jungen Welpen, die verletzte Hündin, unzählige Orte, die wir noch nicht geschafft haben.
One thought on “Netzwerk Rovinari 2025”
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Danke für euren Einsatz und der tollen Berichterstattung mit den Bildern. Ich habe Roviani Patenschaften, und kann mir die Umgebung jetzt besser vorstellen. Es freut mich so sehr, dass die Mitarbeiter dort so tierlieb sind.
Amala, eines meiner Patentiere, und ein Mitarbeiter haben sich gegenseitig ins Herz geschlossen, so dass man sie guten Gewissens dort lassen kann.
Ja, es wird noch dauern, bis die Liste kleiner wird. Dafür werde ich euch weiterhin unterstützen.
Alles Gute, Zuversicht und Stärke wünscht
Ursula Musius