Reisebericht Dezember 2011

Meli am Telefon. Tibi hat geschrieben. Miercurea Ciuc fällt mal wieder unter Tollwutquarantäne. Ein immer wieder merkwürdiges Procedere in Rumänien. Wenn irgendwo bei einem Tier (meist ein Fuchs) Tollwut festgestellt wurde, wird der ganze Bezirk im Umkreis von 50km für mehrere Wochen oder Monate unter Quarantäne gestellt. Das bedeutet, dass Hunde und Katzen, egal ob geimpft oder nicht, diesen Umkreis nicht verlassen dürfen. Natürlich hält sich vor Ort in Wirklichkeit kein Mensch (und auch kein Hund und keine Katze) daran. Aber unsere Tierheimhunde, die alle einen dokumentierten Impfschutz aufweisen, brauchen für die Reise einen Stempel vom Amtsveterinär. Und diesen kann er während der offiziellen Tollwutquarantäne nicht ausstellen - so gerne er es würde. Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen sind von dieser Regelung übrigens nicht betroffen, weil sie, so heißt die offizielle Begründung, keine Füchse beißen. Aaaaha, nun gut, nach der Logik suchen wir dann später. Böse Zungen behaupten übrigens, die tollwütigen Füchse kämen aus der Tiefkühltruhe und würden immer dann hervorgezogen, wenn man EU-Gelder zur Tollwutprophylaxe in Anspruch nehmen möchte, oder aber...um einen Grund zu haben, Straßenhunde zu töten. Nun gut, was solls, alle Spekulationen nützen nichts. Spätestens seit wir einmal mehrere Stunden mit dem Tierarzt des Kreisveterinäramtes diskutiert haben und dieser schließlich, leider erfolglos, beim Landwirtschaftsministerium in Bukarest um eine Ausnahmetransportgenehmigung für unsere Hunde flehte, damit er uns endlich von der Backe bekommt, wissen wir: gegen die beknackte Tollwutquarantäne kommen wir nicht an. Damit ist die Dezemberfahrt also gestorben...Hm, so ganz können sich weder Anja noch ich damit abfinden. Vielleicht würde sich ja doch noch was ändern (wär ja nicht das erste mal), zumindest könnte man doch wenigstens Wege für den ein oder anderen Notfall finden... Und dann kommt Sighisoara... Von Sighisoara hörten wir das erste mal, als Nina Schöllhorn (Tierärztin des Tierärztepools) und Carina (Auszubildene zur Tierarzthelferin beim TÄ-Pool) im letzten Jahr zum Kastrationseinsatz nach Miercurea Ciuc kamen. Beide waren mit ihren Nerven völlig am Ende, weil sie zuvor in Sighisoara im Auftrag des BMT in einer städtischen Auffangstation kastriert hatten. Die Zustände dort waren derart schrecklich, dass Nina und Carina noch nach Tagen mit den Tränen zu kämpfen hatten, wenn sie davon berichteten. Die Hunde sind dort in viel zu kleinen Käfigen untergebracht. Einmal am Tag kommt ein Angestellter, der füttert und angeblich sauber macht...es ist dort allerdings so unglaublich dreckig, so etwas hatten wir alle noch nicht gesehen. Eine Hündin lag nur noch lethargisch auf einer Hütte, ihr Welpe versank im Dreck, sie schaffte es mental auch nicht mehr, sich um ihn zu kümmern, er war ihr gleichgültig geworden. Nina hatte sich damals geweigert, diese Hündin nach der Kastration in den "Zwinger" zurückzubringen. Weil Nina einen regelrechten Aufstand probte, wurde die Hündin mit ihrem Welpen schließlich in einem privaten TH in Sighisoara untergebracht. Viele Gespräche später mit allen Beteiligten steht fest, wenn die Stadt bestimmte personelle Bedingungen erfüllt, wird der BMT die notwendigen Gelder für eine Renovierung des städtischen Auffanglagers zur Verfügung stellen. Außerdem erklärt sich der Verein APDA (Asociara Pentru Drepturile Animalelos) bereit, einen Großteil der Hunde aus der Primaria in seine Obhut zu nehmen, wenn zuvor durch einen Transport die Anzahl der Hunde im privaten Tierheim, das dieser Verein betreibt, gesenkt werden könnte. Ein leider ausgefallener Transport für MC und nun ein dringend notweniger für Sighisoara...das scheint ja fast Fügung zu sein. Der Plan steht also schnell. Besuch in Sighisoara im städtischen Auffanglager. Überprüfen, ob dort mit den geforderten Änderungen bereits begonnen wurde. Z.B. sollte es neue Hütten für die Hunde geben. Möglichkeiten für Gespräche mit den Behörden ausloten. Besuch des privaten Tierheims und schließlich der Transport einiger Hunde von dort nach Deutschland. An Bord natürlich auch wieder jede Menge Spenden. Ein Teil für Sighisoara, ein Teil für MC. Dann die schöne Nachricht: Tollwutquarantäne in MC ist aufgehoben. Hurra, also ein Doppeltransport. Unsere Bpchen, die auf der Ausreiseliste standen, würden also doch fahren können. Puh, ganz schön viele Punkte für die Zeit 'zwischen den Jahren'. Wir starten trotzdem mit viel Vorfreude. In Sighisoara angekommen, sind wir beeindruckt, dass "auf der Burg wohnen", wie man es uns angekündigt hatte, tatsächlich 'auf der Burg wohnen' bedeutet. Der alte Stadtkern liegt auf einem Hügel, man fährt durch ein altes Burgtor und befindet sich dann tatsächlich in einem alten Burggelände. Die Häuser sind zum größten Teil sehr schön hergerichtet, der Ausblick ist grandios, nette Cafés, Restaurants und Bars runden das schöne Ambiente ab.
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