
Schon seit geraumer Zeit hatte ich Andy sehr genau im Auge, da er immer klappriger + seniler wurde – die Hinterbeine waren sein Problem, aber auch Desorientierung + Gleichgewichtsstörungen – so lebten wir eigentlich in den letzten zwei Monaten von Tag zu Tag –
Ich habe – in Absprache mit unserem Tierarzt – schon öfter mal in Betracht gezogen, ihm dabei zu helfen, seinen Weg abzukürzen, doch sobald ich nur mit dem Gedanken spielte, schien er mich vom Gegenteil überzeugen zu wollen + war nochmal richtig gut drauf, für seine Verhältnisse –
Gestern war es dann aber wirklich soweit; Andy kannte sich gar nicht mehr aus, lief ununterbrochen rein + wieder raus, behielt sein Essen nicht bei sich + fing an, sehr viel zu trinken – so haben wir ihn sehr schweren Herzens eingeschläfert –
Andy wäre im März 17 geworden – er tat seinen letzten Atemzug friedlich in meinen Armen –

Andy kam im März 2022 im Alter von 13 Jahren zu uns – bis dahin hatte er seine Lebenszeit an einer kurzen Kette verbracht + war verständlicherweise kein großer Menschenfreund, sein Job war es ja, zu bellen, wenn jemand kam + ansonsten wurde sich nicht groß um ihn gekümmert – ich weiß noch genau, wie er + sein Leidensgenosse Mickey zu uns kamen + was für ein Akt es war, ihnen ihre Ketten abzunehmen, ohne dabei diverse Finger zu verlieren –
So lebte Andy, bevor er zu uns kam

Für seine Verhältnisse ist Andy eigentlich relativ schnell sehr schön aufgetaut + hat sich mit uns anfreunden können – fremde Menschen waren eine zeitlang immer mal wieder Thema bei ihm + er hat auch schonmal zugeschnappt, aber da er so klein + auch schon alt war, konnte man das recht gut händeln + eigentlich meinte er es auch gar nicht böse… 😉
Andy hatte einen unglaublichen Haarwuchs + war bestens ausgerüstet für den rumänischen Winter – leider war er so runtergekommen, als er hier einzog, daß wir ihn nach der Kastration erstmal geschoren haben –

Immer wieder ist es so eine Überraschung, was für ein Hund nach einer Schur hervorkommen kann – so auch bei Andy, der aufeinmal soooooo unglaublich klein + zerbrechlich wirkte + noch putziputziger als er es eh schon war 🙂
Das war im Juni 22 + er ist danach so aufgeblüht, daß wir es im Laufe der Jahre immer wieder zu Sommerbeginn gemacht haben – es war immer ein kleiner Akt, der auch Gefahren barg, doch hat es sich immer gelohnt – meinte auch Andy jedesmal im Nachhinein!
Nachdem Andy sich so gut entwickelt hatte, haben wir ihn auf vermittelbar gestellt – sein Mitbewohner Mickey war schon ausgereist + auch Andy wollten wir die Chance auf ein richtig schönes Rentnerleben nicht verwehren –
Das führte zu einem Running-„Gag“ – es kam 2022 die erste Anfrage für ihn + Andy fiel uns einfach um, krampfte + war kurzfristig bewußtlos – auch wenn er sich kurz danach erholt hat, konnte er so natürlich erstmal nicht ausreisen – dann war Andy lange okay, bis die nächste Anfrage kam + er wieder umfiel…das Ganze wiederholte sich noch ein drittesmal, dann haben wir ihn wieder aus der Vermittlung genommen + sein Zuhause blieb offiziell das Tierheim –

Nach seinem ersten Anfall zog Andy zu uns in die Futterküche, die im Eingangsbereich zur Praxis liegt, so konnten wir ihn alle gut im Auge behalten –
Andy war ein super Mitbewohner für alle, die im Laufe der Jahre dort ein- + wieder ausgezogen sind + das waren eine Menge Hunde – lange MitbewohnerInnen waren Nasti, Erelah, Alm-Öhi + Dervis, alle mittlerweile verstorben, aktuell ist Knob der konstanteste Mitbewohner –

Je älter Andy wurde, desto mehr kehrte auch bei ihm die Altersmilde ein – hatte man dann noch was zu essen in der Hand, war sowieso alles tutti + das hat Andy sich dann auch gemerkt –
Überhaupt hat Andy sich viel gemerkt – Leute, die sich haben beeindrucken lassen von seinem Gebell + Gehabe, hat er jedesmal aufs Neue gestellt + sich einen richtigen Spaß daraus gemacht, wie ich finde – einmal wurde ich sogar angerufen, Paula stand vor der Tür, traute sich wegen Andy nicht herein + bat mich, ihn aus dem Weg zu räumen…Andy + ich konnten gar nicht aufhören zu lachen…

Mit der Altersmilde kam auch mehr + mehr die Altersdemenz, die spürbaren Knochen + die Gelenke, die nicht mehr gut mitmachten – trotz aller Medikamente + Mittelchen sind fast 17 Jahre trotzdem fast 17 Jahre, von denen 13 nicht die Besten waren – Andy wurde ganz erheblich weniger präsent, schlief viel + sehr tief, wußte manchmal nicht mehr so recht, was er eigentlich vorhatte, stand irgendwo rum undsoweiterundsofort – wie es halt so ist bei hochbetagten Säugetieren –
Oft habe ich ihn irgendwo aufgesammelt + wieder in sein Bettchen getragen, hab sogar ne Kamera in der Futterküche aufgestellt, damit ich mich bei schlechtem Wetter vergewissern konnte, daß Andy drinnen war – war er zum Glück immer –

Andy hat hier 4 behütete Jahre gehabt, die er wohl sehr genossen hat – die Zeit hört sich für mich so kurz an, vom Gefühl her war Andy schon immer da + gehörte schon immer dazu –
Lieber kleiner Freund – du hast vielen Menschen etwas bedeutet + viel Freude bereitet, das wird dich unvergessen machen!
Rest in Peace – wir sehen uns wieder :*
2 thoughts on “Abschied von Andy”
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Ein besonders schöner, inniger Nachruf
Ja !
Und wie gut, dass Andy euch hatte !