
Am Sonntag haben wir uns schweren Herzens von unserer Anni-Frid verabschieden müssen; seit wir vor geraumer Zeit einen Tumor in ihrer Achselhöhle entdeckt haben, hatten wir sie ganz besonders im Blick + sie kam eigentlich bis zum Schluß gut damit zurecht, war immer zu sehen + hatte guten Appetit –
In den letzten Wochen wurde der Tumor deutlich größer + fing nun an, aufzugehen – so entschieden wir in Absprache mit unserem TA, es nicht soweit kommen zu lassen, daß Anni-Frid ins Leid fallen würde + halfen ihr auf den letzten Weg –
Während sie vorne eine Kaustange mümmelte, bekam sie hinten eine Betäubungsspritze + entschlief kurze Zeit später auf ihrem Stammplatz im großen Freilauf –

Anni-Frid kam zusammen mit ihrer vermutlichen Schwester Agnetha im Sommer 2013 zu uns ins Tierheim, Beide um die 2,5 Jahre jung, Beide mit einer handvoll Welpen im Gepäck + Beide gelinde gesagt absolut not amused, hier gelandet zu sein –
Für Mütter mit Welpen hatten wir damals extra eine Quaratäne gebaut, in die die Beiden also einzogen + es war eine Challenge, die beiden Familien zu versorgen – ohne geeignete Abwehrwerkzeuge war es nicht möglich, die Abteile zu betreten, geschweige denn, sich den Welpen zu nähern –
Doch fanden wir Tricks + Wege, die Situation zu händeln, den Welpen einen guten Start zu ermöglichen + nach getanen Mutterpflichten zogen Anni-Frid + Agentha zusammen in den großen Freilauf in Zone 3, in dem sie lange Zeit zufrieden in einer wilden Gruppe leben konnten –

Eigentlich beginnt ihre richtige Geschichte erst ab diesem Zeitpunkt, denn die Zeit der Mutterpflichten bedeutete für sie viel zu viel + viel zu nahen Menschenkontakt + der war bei ihnen einfach nicht angesagt, egal wie schön wir uns gefüttert, wieviel Zeit wir uns genommen + was wir alles veranstaltet haben – sie wollten einfach keine menschliche Gesellschaft –
Dabei fanden sie es schon interessant, uns aus der Ferne zu beobachten, sich mal ranzupirschen, um zu schauen, aber bitte ohne aktive Kontaktaufnahme unsererseits –
Einen Sport haben die Beiden sich daraus gemacht, BesucherInnen aufzulauern, die arglos durch den Freilauf gingen, ihnen dann Vollgas hinterher zu rennen + Wadenschnapper zu verteilen, was ihnen den Ruf der „Sisters Fürchterlich“ einbrachte – ist schon lange her, aber immer noch eine Schmunzelgeschichte, die alte BesucherInnen gut kennen –

Anni-Frid war tatsächlich selten allein anzutreffen, sondern meistens im Doppelpack mit ihrer Schwester zu sehen, sie war auch erheblich weniger offensiv + hielt sich lieber im Hintergrund, während sie Agnetha die Bühne überließ –
In der Gruppenhierachie nahm sie immer + bis zu ihrem Lebensende den allerletzten Platz ein, schien damit aber nie unzufrieden, sondern füllte diesen Platz ganz selbstverständlich aus –

Die erste Videoaufnahme gibt es aus dem Jahr 2017 + zeigt die damalige Truppe, aus der Anni-Frid nun die Letzte war + nun also niemand mehr lebt –

Der langsame Schwund durch altersbedingtes Sterben führte dazu, daß irgendwann nur noch Harle Chin, Agnetha + Anni-Frid sich im großen Freilauf befanden + scheinbar beschlossen hatten, niemand Neuen dort zu akzeptieren – dies führte dazu, daß wir die Drei, zugegebenermaßen schweren Herzens, nochmal umgesiedelt haben –
In einem immer noch sehr großzügigen, grünen Zwinger guckten sie anfangs zwar sparsam aus der Wäsche, fanden sich aber trotzdem auch irgendwann ein + führten ein beschauliches Leben –
Akzeptanz gefunden haben dann doch noch Dante + Hyuki + so wurde es eine 5er, nach Harle-Chins Tod eine 4er Gruppe, die einige Jahre bestand –

Als sich nach einigen Jahren auch die neue Belegschaft des großen Freilaufs durch altersbedingten Tod wieder reduziert hatte, zogen Anni-Frid + ihre MitbewohnerInnen wieder dahin zurück, wo sie ursprünglich herkamen + waren nun selbst die Neuen –
Hier lebte Anni-Frid nun bis zuletzt, war mit erheblicher Altersmilde gesegnet + ließ das Leben durchweg ruhiger angehen –
Nach Agnethas Tod wirkte sie erst ein wenig verloren, denn weiterhin waren die Beiden fast immer zusammen – vielleicht wirkte es auch nur auf uns so, sie auf einmal immer allein zu sehen, letztendlich hat Anni-Frid dann halt ihr eigenes Ding gemacht, schlenderte durch die Gegend, chillte mal hier, mal da, war mal mit den Anderen zusammen, meistens jedoch für sich –

Dann erwischte Anni-Frid zweimal recht kurz nacheinander das Vestibularsyndrom, das sie beim ersten Mal recht schnell durchgestanden hat, beim zweiten Mal dauerte es etwas länger + es blieb auch ein kleiner „Schlag“ des Gangbilds über –
Das zweiter Mal war leider mitten im Winter, so daß wir Anni-Frid am späten Nachmittag immer in den Pferdestall brachten, damit sie es warm + geschützt hatte –
Diese Routine hat Anni-Frid total schön angenommen – mußte ich sie anfangs mit Hilfe der glücklicherweise grad vorort gewesenen Imke immer stellen + reintragen, wo dann eine warme Suppe auf sie wartete, ist sie nach ein paar Tagen schon allein in den Stall gelaufen, wenn ich abends mit dem Napf gewinkt habe + eine ganze Zeit danach hat sie einfach so im Stall geschlafen, was vorher nie der Fall war –

Dieses Bild ist das Letzte von Anni-Frid, ich habe es vor ein paar Tagen gemacht, als sie erwartungsvoll auf mich zukam, weil sie Leckerchen vermutete + auch Recht hatte –
Ihre Tage waren aufgrund des Tumors gezählt, das war uns klar + mit fast 16 Jahren hatte sie auch ein stolzes Alter erreicht – trotzdem ist es schwer, eine so lange Begleiterin dann bewußt gehen zu lassen –
Obwohl Anni-Frid sich immer im Hintergrund aufgehalten hat, haben wir sie gesehen + bedacht – sie gehörte einfach zum täglichen Leben dazu –
Jetzt fehlt sie –
Rest in peace, du ganz spezielle Anni-Frid, du wirst Vielen unvergessen bleiben! :*






















