
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Jussi damals zu uns ins Tierheim kam. Jung, aufgebracht und gesundheitlich ziemlich angeschlagen. Er war einer der Hunde aus der Rettungsaktion aus Slatina, die uns im Winter 2015/2016 so sehr beschäftigt hat.
Hinten in Zone 4, gemeinsam mit einigen anderen, musste er erst einmal ankommen. Doch Jussi wurde direkt schwer krank und wehrte sich vehement gegen jede Behandlung. Er hatte panische Angst vor uns, seinen eigenen Kopf und offenbar auch einen sehr starken Lebenswillen. Er überlebte, berappelte sich und begann nach und nach auch mental Fuß zu fassen.
Er hatte sich gut eingelebt und sich von einem massiven Lungeninfekt erholt. In Gegenwart von Menschen war er nicht mehr ganz so panisch, doch von Nähe war er noch weit entfernt. Er schloss sich erstmal anderen Hunden an, orientierte sich an ihnen.
Aus dem unsicheren, eher raubeinigen Hund wurde über die Jahre ein fröhlicher und verspielter Kerl. Er nahm irgendwann sogar Leckerchen aus der Hand, natürlich erst nach gründlicher Überlegung. Wenn man etwas Konkretes von ihm wollte, war allerdings weiterhin Schluss mit lustig.
Er war verträglich und sozial mit seinen Artgenossen, aber lange Zeit war ziemlich eindeutig, wer die Hosen anhatte. Im hausnahen Bereich kam er mit den anderen gut zurecht, konnte dabei aber durchaus sehr bestimmt sein. Einen gewissen Dickkopf und eine ordentliche Portion Schalk hatte er sich immer bewahrt.

Jussi schloss tiefe Bindungen. Wenn er einen Spielekumpel verlor trauerte er richtig, zog sich zurück und war auch wieder sichtbar verunsichert. Für ihn waren Freundschaften sehr wichtig, mehr als man es bei anderen Hunden beobachten konnte. So versuchten wir ihm ein möglichst stabiles Umfeld zu schaffen.
Jussi konnte nicht nur spielen, sondern wusste auch ganz genau, wann ein bisschen Ordnung sein musste. Über die Jahre wurde Jussi immer milder. Immer entspannter. Immer mehr wurde dieser liebe Kerl sichtbar, der er schon immer war.
Kam Besuch, freute er sich zunächst sehr, hüpfte dicht um einen herum und war ganz offensichtlich interessiert. Blieb die Kekstüte allerdings zu lange geschlossen, tat Jussi plötzlich völlig desinteressiert. Er legte sich entspannt irgendwo ab oder beobachtete scheinbar beiläufig das Geschehen. Ein Auge und ein Ohr blieben aber immer bei den Menschen. Man konnte ja nie wissen.
Und sobald es irgendwo verdächtig knisterte, stand er wieder neben einem. Dann nahm er ganz vorsichtig sein Leckerchen aus der Hand, als wäre das schon immer das Selbstverständlichste der Welt gewesen.

Seinen letzten Lebensabschnitt verbrachte er frei in Zone 4. Und es war schön, ihn dort so zu sehen.
Der kernige Rüde, der früher eher raubeinig war und robuste Zwingerkollegen brauchte, war zu einem freundlichen, fröhlichen Senior geworden. Er kam mit seinen Artgenossen bestens zurecht, war sozial, ausgeglichen und lebensfroh. Und auch der Schalk war noch da und blitzte in seinem Gesicht auf.
Aus dem Hund, der einst kaum Nähe zu uns Menschen zulassen konnte, war einer der mutigeren Hunde der Gruppe geworden. Er suchte unsere Nähe, freute sich über bekannte Gesichter und war durchaus bereit, sich auf uns einzulassen. Ein Leckerchen machte die Sache natürlich deutlich einfacher.
Jussi hat in all den Jahren eine Entwicklung hingelegt, die man sich zu Beginn kaum hätte vorstellen können. Er hat gelernt, zu vertrauen. Er hat Freundschaften geschlossen, getrauert, gespielt und immer wieder seinen ganz eigenen Weg gefunden.
Jussi war nicht perfekt, nicht immer einfach, aber ein echt guter Kerl.
Mach’s gut, Jussi.
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Ach, wieder so ein schöner Text zum Abschied von Jussi – so, daß man bei aller Trauer über seinen Tod doch auch immer mal lachen muß über die Charakterbeschreibung! Ich finde es so prima, daß Sie die Tiere so genau beobachten und sie so sein lassen, wie es ihnen gefällt! Ich denke, daß Jussi bei Ihnen ein glückliches und umsorgtes Leben im Kreis seiner vierbeinigen Freunde geführt hat und Ihre Zuwendungen sehr genossen hat. Wieder einmal danke ich Ihnen von Herzen für Ihre Fürsorge für die Tiere in MC, aber auch in Rovinari.