
Abschied von Kilimo
Als Kilimo 2021 gemeinsam mit einigen anderen Hunden aus dem städtischen Tierheim in Rovinari zu uns nach Miercurea Ciuc kam, hatte er bereits einen langen Weg hinter sich. Das Tierheim war sehr voll, die Hunde hatten nur wenig Platz. Viele Jahre hatte er dort gelebt, bevor er zu uns zog.
Die ersten Tage verbrachte Kilimo fast ausschließlich in seiner Hütte. Menschen begegnete er mit großem Misstrauen. Er war ein Hund, der sich Dinge merkte – hatte jemand einmal sein Vertrauen verspielt, musste er es wieder zurückgewinnen. Doch genauso zeigte er, dass Geduld und Ruhe etwas bewirken konnten. Vorsichtig nahm er Leckerchen aus der Hand, beobachtete alles ganz genau und begann langsam zu verstehen, dass ein Mensch auch einfach nur da sein kann, ohne etwas von ihm zu verlangen.
Es waren keine großen Sprünge, sondern viele kleine Schritte, die Kilimos Entwicklung ausmachten. Das erste Wedeln, wenn jemand den Zwinger betrat. Die ersten Momente, in denen er sich entspannen und sogar dösen konnte, obwohl ein Mensch in seiner Nähe war. Für ihn waren das große Fortschritte.

Wir holten Kilimo zu uns ans Haus, wo er eine Zeit lang in der Hundegruppe lebte. Dort zeigte sich eine Seite von ihm, die wir bis dahin so nicht kannten. Vor allem schwächeren Hunden gegenüber trat er mitunter sehr bestimmend auf und nutzte ihre Unsicherheit aus. Auch beim Füttern verstand Kilimo wenig Spaß – Futter war ihm wichtig, und er machte seinen Anspruch darauf deutlich, indem er andere Hunde auf Abstand hielt oder vertrieb. Insgesamt wurde klar, dass ihn das Leben in einer größeren, wechselnden Gruppe überforderte. Schweren Herzens entschieden wir uns deshalb, ihn wieder in einen Gruppenzwinger zu bringen, in dem die Verhältnisse überschaubarer und für ihn besser vorhersehbar waren.
Dort schien er seinen Platz gefunden zu haben. Er lebte lange Zeit mit drei anderen Hunden zusammen, mit denen er sich über gut verstand. Die vier waren erst vor Kurzem gemeinsam in einen der größten Zwinger umgezogen und führten dort ein ruhiges Leben.
Umso unfassbarer ist es, dass Kilimo im Alter von 11 Jahren infolge einer Beißerei gestorben ist.

Wir wissen nicht, was genau passiert ist. Nach der langen Zeit, in der die Hunde problemlos zusammenlebten, ist es für uns kaum nachzuvollziehen. In den vergangenen Tagen gab es schwere Gewitter, die viele Hunde unter Stress setzen können. Ob das eine Rolle gespielt hat, werden wir wohl nie erfahren. Es bleibt eine Vermutung – Antworten haben wir keine.
Kilimo gehörte zu den Hunden, die nie viel von Menschen hielt. Er brauchte Zeit, Verlässlichkeit und einen Ort, an dem er einfach Hund sein durfte. Nicht jeder Hund ist für das Leben in einem Zuhause gemacht, so wie wir Menschen es uns vorstellen. Manche Hunde fühlen sich mit den Anforderungen eines Familienlebens nicht wohl. Für Kilimo war Miercurea Ciuc sein Zuhause. Hier kannte er die Menschen, die Abläufe und seine Hundekumpels. Hier hatte er seinen Platz gefunden.
Dass seine Geschichte nun so plötzlich und tragisch endet, macht uns unendlich traurig. Mach’s gut, Kilimo.










