Am Mittwoch mußten wir uns ganz plötzlich von Kolja verabschieden – er fiel zwar in letzter Zeit durch erschwertes Laufen + Probleme mit den Vorderbeinen auf, doch daß er an diesem Tag überhaupt nicht mehr aufstehen konnte + seine Hinterbeine so gar nicht mehr funktionierten, waren wir echt bestürzt –
Mit seinen mittlerweile über 16 Jahren + einem Gemüt, das nicht alles mit sich veranstalten lässt, war die Entscheidung in Absprache mit unserem TA klar, wir müssen Kolja auf seinen letzten Weg helfen –
Kolja schlief auf der Wiese im großen Freilauf ein, während er an einem Kauknochen mümmelte –

Kolja kam am Silvesterabend 2018 zu uns, vermutlich irgendwo völlig verschreckt von der Ballerei blind losgerannt – er hat einige Zeit gebraucht, um sich bei uns einzufinden + sich mit uns Menschen nicht nur zu arrangieren, sondern die Meisten von uns letztendlich doch ziemlich gut zu finden –
Als vermutlich im Dienst gestandener Herdie brachte Kolja neben Loyalität zu seinen Menschen auch eine gute Portion Wachsamkeit mit, die er hier erst im Laufe der Jahre so richtig ablegen konnte –
Kolja wurde bei Ankunft auf 8 Jahre geschätzt + hat weitere 8 Jahre bei uns gelebt – ein halbes Leben –
In der ersten Zeit lebte Kolja mit Mahin – die treuen Gefährtinnen unseres Tierheims werden sich noch an sie erinnern – mit ihr konnte Kolja sich erstmal aklimatisieren, checken, wie es hier läuft + was wir überhaupt für Gestalten sind –
Auch für Mahin war seine Gesellschaft eine zeitlang gut, gab Kolja ihr irgenwie Sicherheit + wollte nix von ihr – so haben Beide eine zeitlang voneinander profitiert, bis Kolja sich mehr Action + Kurzweil wünschte + in eine Gruppe zog, während Mahin den großen Vorplatz als neues Zuhause bezog –
Kolja blühte in der Gruppe dann so richtig auf, wurde witzig, ausgelassen + so richtig lebendig –
Auch ein zweites Mal klappte eine Vergesellschaftung gut, als Koljas MitbewohnerInnen irgendwann alle ausgezogen waren, blieb er allein zurück + stellte sich in der eingeschworenen Gruppe um Hogan, Helaina + Janina vor – auch hier lief es gut, bis die ursprüngliche Gruppe nach + nach das Zeitliche segnete –
Kolja, mittlerweile auch schon mehr in die Jahre gekommen + mit weniger Sturm + Drang in sich, zog dann mit Shiva zusammen, einer ruhigen, sehr lieben Hündin – mit ihr hat er nun seine restlichen Jahre verbracht + ist vor ein paar Monaten noch zusammen mit ihr in den großen Freilauf gezogen –

Mit Shiva lebte Kolja jetzt über viele Jahre zusammen – die Beiden waren ein ruhiges Team, das sich im Laufe der Zeit eng gebunden hat; vor allem Shiva hat sehr von Kolja profitiert, der ihr Sicherheit gab, den Zwinger auch mal zur Freilaufzeit zu verlassen + sich ein wenig was zu trauen – Kolja hingegen hatte in Shiva eine Partnerin, die ihn angehimmelt hat + ihm Gesellschaft in der Beschaulichkeit gab, die für ihn zunehmend wichtiger wurde –
Kolja + Shiva sind zwei der wenigen Hunde hier im Tierheim, die ihre Textilien nie kaputt gemacht haben, so daß es immer eine richtige Freude war, ihnen frisch bezogene Betten oder Decken zu bringen, die man nur ab + an mal aufschütteln, niemals aber in Fetzen in den Müll tragen mußte –
Einen Freund fand Kolja in unserem ehemaligen Mitarbeiter Laci, der sich eine Zeit lang sehr um ihn gekümmert hat – Kolja hat sich gern gebunden + Laci geliebt – das war eine schöne Zeit für Kolja, bis Laci dann gekündigt hat + er von heute auf morgen wieder ohne so engen Freund dastand –

Wie Hunde halt sind, machen sie das Beste aus ihrer Situation + das ist auch gut so – Kolja hat es immer besonders genossen, wenn er Freilauf hatte + auf den Gängen herumstromern konnte, das war eigentlich nach Futter + richtigen Spaziergängen das Größte für ihn – so ergab es sich, daß im großen Freilauf wieder Plätze frei wurden + Kolja mit Shiva zusammen dorthin ziehen konnten –
Im Gegensatz zu Shiva, die sich fast zwei Wochen ausschließlich im Hüttenbereich verschanzt hatte, bevor sie auf Erkundung gehen konnte, war Kolja davon null beeindruckt, hat sofort angefangen, das gesamte Gelände zu erkunden, innerhalb von zwei Tagen auch das komplette Kommando dort übernommen – da er aber sehr viel geruht hat im Sommer, belief sich das nur auf einzwei Stunden am Tag, so daß das Leben eigentlich für alle weiterging wie immer –

Diese letzten Monate waren für Kolja nochmal richtig gut – er hat sich zwar vor allem in der ersten Erkundungsphase teilweise echt übernommen mit den Strecken, die er am Tag gemacht hat, doch war ihm das ein Bedürfnis + da er doch schon länger sichtlich gealtert war, wußte man ja auch nicht, wieviel Zeit ihm noch blieb, all das zu entdecken, was sich überall verbarg – somit haben wir ihn gelassen + nur ab + an mit Futter mal in die Ruhebereiche gelenkt, die er dann auch gern angenommen hat –

Mit Kolja geht mal wieder ein sehr spezieller Hund, den bei uns jeder kannte + der auf seine Weise Geschichte geschrieben hat – nicht immer nur vorteilhaft, aber hey, wer kann das schon von sich behaupten?
Rest in peace, alter Schwede + treuer Freund! :*





















