
Abschied von Nino
Bei manchen Hunden, die ihr ganzes Leben im Tierheim verbracht haben, denke ich häufig an die Anfangszeit. Nino saß mit Tabea zusammen, in einem der winzigen Zwinger der Zone 2. Beide jung, voller Angst und Stress durch die schwierige Lebenslage. Es gab keinen Sichtschutz, es gab keinen Boden, der sich vernünftig reinigen ließ, das Tierheim war völlig überbelegt.
Beide hatten es zwar nie aus dem Tierheim geschafft, aber sie haben die ganze Wandlung miterlebt. Irgendwann zogen sie in unterschiedliche Gruppen. Nino war ängstlicher und musste sich neu orientieren. Unter Stress war er mit Artgenossen zuweilen ruppig. Mit dem größer werdenden Platzangebot wurde er ruhiger, denn er konnte mehr ausweichen, größeren Abstand halten und somit auch Nähe zum Menschen besser aushalten. Über diese Distanz baute er dann Vertrauen auf, machte mal einen langen Hals, kam mal ein paar Schritte näher.

Seine letzten 9 Jahre verbrachte er in einem der Wiesenzwinger, also reichlich Platz für ihn. Er kam mit anderen Hunden in diesem Umfeld gut aus und war auch im hohen Alter und gebrechlich eine respektierte Persönlichkeit. Sofern man als Mensch ein paar Snacks in den Taschen hatte rappelte er sich immer auf und kam angelaufen. Er kam ganz dicht und erwartete, dass man ihm welche abgeben würde. So viel Vertrauen baute er auf, nur anfassen lassen fand er bis zum Schluss nicht gut.
Nino war ein netter Typ, keine schillernde Persönlichkeit, aber einfach so ein verlässlicher, freundlicher und eigentlich doch unkomplizierter Hund, nachdem er sich in einem Umfeld befand, dass für ihn sehr gut funktionierte. Nino hatte bereits länger mit Schwäche in den Hinterbeinen zu tun. Später wurde er dazu inkontinent. Bis zum Schluss war er einfach ein gut gelaunter, genügsamer Kerl, doch als er nicht mehr aufstehen konnte, mussten wir ihn leider erlösen. Nino wurde 18 Jahre alt, wovon er 16 im Tierheim verbrachte.





















